Kunst kann dann interessant werden, wenn sich einzelne Farbminiaturen, Farbstriche oder Farbpunkte zu einem
großen Ganzen zusammenfügen, wobei die einzelnen Bestandteile nicht unterjocht oder in ihrer Wirkung begrenzt werden, sondern eingehen in eine große Farbinsel und Verbindung, deren flirrende Bestandteile untrennbar miteinander agieren, agieren müssen. Denn die dynamisch rastlose Aura des Werkes „o.T.“, welches hier abgebildet ist, funktioniert allein durch sich selbst. Autarke Farben in Rot, Blau, Grün, Weiß, Braun und viele Mischfarben sprechen für
sich - und dass wir es hier mit keinem babelhaften Ge schnatter zu tun haben, sondern mit einem vielstimmigen Chor, dessen große und kleine Stimmen aufgeregt und fröhlich durcheinander reden - das macht den Reiz dieser Malerei aus. So gelingen dann auch abstrakte Werke, deren bildnerischer Inhalt sich durch und von Farbe nur bestimmen und dennoch zu einer allgemein künstlerischen Aussage erlebbar werden. Und Farbe ist hier mehr als ein Stichwort: Farbe ist ein verbindendes, ja Kunst generierendes
Element. Wolfgang Scheerles Kunst lebt durch die Farbe. Ist der Künstler doch eigentlich übeUmwege zur Malerei gekom-
men, obwohl sie schon immer für ihn präsent war. Nach einem handwerklichen Beruf als technischer Kaufmann arbeitete er unter anderem mehr als zehn Jahre als Modedesigner, Vertriebsmitarbeiter und als Consulting Manager; und dies quer über den gesamten Globus. Bis im Jahr 2007 schließlich die Malerei dann seinen gesamten Alltag bestimmt, gefördert durch entsprechende Fortbildungen, unter anderem bei Ottmar Alt. Und so wird das, was früher eher der Kontemplation als Ausgleich zum Job diente, nun zur ent„spannend“en Arbeit im Alltag. Seine Werke beschränken sich nicht nur auf die abstrakte Malerei, sondern auch Arbeiten im Stil der neuen Sachlichkeit oder harmonisch fließende, poppige Farbinseln finden sich bisher. Und natürlich der Pinguin, eine malerische Metapher zum Leben als solches, vom Künstler sorgsam bildlich geformt. Wolfgang Scheerles Malerei ist vielgestaltig und emotional. Es ist dieser Blick von außen, mit dem seine Werke den Betrachter treffen. Und so ergibt sich aus und über die Malerei etwas nonverbal Verbindendes zwischen Künstler und Betrachter; ohne dass zuvor auch nur ein erklärendes Wort
gefallen sein muss.